Grünland und Kuh

Unser Grünland und die Kuh, warum beides zusammen gehört und warum wir es brauchen

Grüne Wiesen zwischen Mischwäldern, kleine Weideflächen, die völlig von Wald eingefasst sind, lichte Höhen und liebliche Täler mit gurgelnden Bächen: Dafür ist der Schwarzwald bekannt. Damit wirbt jedes Dorf, jeder Tourismusverband der Region, ja sogar international ist der Schwarzwald für das Bild Deutschlands prägend. 

Fest verankert in diesem Landschaftsbild und unverzichtbar für den Erhalt – die Kuh. 

Ohne sie wäre die Offenhaltung der Flächen unmöglich. Weiden, die nicht gemäht werden können, weil sie zu steil oder zu unebenund steinig sind, würden schnell verbuschen und wieder Wald werden. Und die anderen Flächen? – ja, wozu sollte man sie ohne Tiere überhaupt noch mähen? 

Ein artenreiches über jahrhunderte entstandenes Ökosystem würde zerstört werden. Selbst das regelmäßige Mähen oder Mulchen der Flächen könnte das nicht aufhalten, wie schon vielerorts zu beobachten ist.

Der Verlust für uns und die Umwelt – unermesslich.

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Grünland bedeckt 40% der weltweiten Landfläche und ist in seiner Gesamtheit der größte CO2 Speicher. 

Die Fruchtbarkeit des Bodens wird durch lebende (15%) und tote (85%) organische Substanz (Humus) bestimmt. Humus besteht überwiegend aus Kohlenstoff – dem C aus CO2 der Atmosphäre, den die Pflanzen durch Photosynthese aufnehmen. In jeder Tonne Humus im Boden wird so rund eine halbe Tonne Kohlenstoff gebunden, die in der Verbindung mit Sauerstoff in der Atmosphäre ca. 1,8 Tonnen CO2 ergeben würden. 

Schon lange vor Menschen ist Grasland in Koevolution mit Weidetieren entstanden. Wie die Tiere das Gras brauchen, so ist das Grasland auf die Tiere angewiesen. 

Der Biss regt das Pflanzenwachstum an, denn Gräser wachsen – anders als Bäume und Büsche – von unten und nicht an der Triebspitze. Während Bäume durch Verbiss in ihrem Wachstum einen Dämpfer bekommen, legt Gras dadurch erst richtig los.

Der Tritt der der Rinder in der Grasnarbe fördert Wurzelwachstum und macht Samen platz, die die Tiere teilweise selbst im Fell mitbringen. 

Der Mist führt dem Boden wieder die benötigten Nährstoffe zu, sowie unzählige Mikroorganismen und ist Nahrungsgrundlage vieler Bodelebewesen.

Wo Wiederkäuer, da fruchtbarer Boden

Dieses Prinzip haben Menschen schon vor tausenden von Jahren erkannt und sich dort niedergelassen und irgendwann auch begonnen selbst Tiere zu halten und zu züchten. Im Schwarzwald mit seinen steilen Hängen und steinigem Untergrund hat die Viehhaltung eine lange Tradition. Wiederkäuer wie Kühe, Schafe und Ziegen waren die einzige Möglichkeit Flächen zu bewirtschaft, auf denen kein „Menschenfutter“ angebaut werden konnte. Sie waren in der Lage, das für uns unverdauliche Gras in für den Menschen verdauliches Fleisch und Milch umzuwandeln. Ebenso wichtiger Nutzen war jedoch ein Aspekt, den heute noch eine zum Schimpfwort verunglimpfte Bezeichnung deutlich macht: 

„Mistvieh“

So negativ, wie es heute verwendet wird, so positiv war es früher verstanden worden. Die Menschen brauchten den Mist der Tiere für die Düngung ihrer Felder, auf denen sie Getreide und Gemüse anbauten. 

Rinder waren also keine Nahrungskonkurrenten für den Menschen wie heute, sondern wurden da genutzt, wo nichts anderes ging, waren Arbeitshilfe, Nahrungsergänzung und Garant für eine gute Ernte. 

Doch die Credos vom Wachstum/Optimierung/Effizienz haben mit der deren Industrialisierung auch in der Landwirtschaft Einzug gehalten.

So enstand die Massentierhaltung in der züchterisches Ziel immer Steigerung der „Leistung“ war, in möglichst kurzer Zeit. Das heißt entweder viel Milch, oder viel Fleisch. Das Ergebnis ist meist eine sehr viel kürzere Lebenserwartung, steigende Anfälligkeit für Krankheiten, kurzum ungesundere Tiere und und ein Dasein ausschließlich im Stall.

Diese „Hochleistung“ erreicht man nicht mit einer natürlichen Ernährung. Heu wird durch Kraftfutter aus vorwiegend Getreide, Maissilage und Soja ersetzt. Mist wird durch synthetische Dünger ersetzt, die kurzfristig mehr Wachstum erbringen, aber nicht mehr zum Humusaufbau und somit CO Speicherung und einer Balance der Bodelebewesen beitragen, sondern langfristig die Böden auszehren und gewaltige Emmisonen aus der Produktion im Gepäck haben. 

„Die Kuh wurde zur Sau gemacht“

Man zwang Kühe Nahrung zu fressen, für die ihre Verdauung nicht gemacht ist. Erkrankungen im Magen-Darm trakt sind nur ein Teil der Auswirkungen für die Tiere.

Eine besonders schimme Folge war die Tierseuche BSE (Rinderwahn). Aus dem Gedanken heraus, dass die Kuh mit ihren im Magen lebenden Mikroorganismen eigentlich alles verdauen könne, sogar ein komplettes Ferkel, begann man aus Schlachtabfällen Tiermehl herzustellen und an Kühe zu verfüttern mit fatalen Folgen für Tier und Mensch. Überall, so zb. auch in der DDR wurden auch Versuche gemacht Kühe mit Schweine und Hühnermist zu füttern, um Weidegrund zu ’sparen‘ und gleichzeitig das Abfallproblem zu lösen.

Das führte dazu, dass die Kuh plötzlich als schlechter Futterverwerter verschrien wurde, denn „sie wird nicht mehr an dem gemessen, für was ihr Verdauungssystem ausgelegt ist: Gras verdauen.“ 

Sie steht im Stall und futtert, was Menschen selber mit nur einem Magen selbst effizienter verdauen könnten. Die Kuh ist dafür „überqualifiziert“, könnte man sagen. Die ersten drei Mägen von 7, in denen Mikroben das, auch für die Kuh selbst unverdauliche Gras vorverdauen, sind dafür nicht nötig und die Kuh muss trotzdem sinnlos Energie aufwenden, damit der Futterbrei im Labmagen (mit unserem vergleichbar) ankommt. 

Die positiven Effekte, die die Kuh in ihrer weitgehend natürlichen Lebensweise für Boden und Klima hat, werden so ausgeschaltet. Was bleibt, ist der Mythos vom Klima-Killer und Methanproduzent und Wasserverschwender.

Solchen „Berechnungen“ liegt jedoch vorallem der Regen zugrunde, der auf das Land fällt,0 von dem das Futter stammt. Industrielle Kraftutterproduktion schneidet da auch wieder vermeintlich besser ab, da weniger Flächen benötigt wird. Doch anders als im Ackerland konkurriert die nachhaltige Nutzung von Dauergrasland mit Rindern auch beim Wasserverbrauch nicht mit der sonstigen menschliche Ernährung. Im Gegenteil: Grasland isz unersetzlich für die Regeneration und Reinigung des Grundwassers.

In Debatten über das Klima hört man immer wieder die pauschale Aussage, weniger Fleisch essen = besser fürs Klima. Doch ist eben nicht die Kuh das Problem, sondern Haltungs- und Fütterungweise. Lässt man die Kuh Kuh sein, hat sie einen sehr positiven Effekt für unser Klima.

Ohne die Kuh wäre der Erhalt unserer für den Schwarzwald so prägenden Kulkturlandschaft undenkbar. Durch den Erhalt von Grasland und ihren Beitrag von Humusaufbau, schützt sie unser Trinkwasser und reduziert Treibhausgase. Weideflächen bieten vielen schützenswerten Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum und bilden ein über Jahrhunderte gewachsenen und aufeinander abgestimmtes Ökosystem, das ohne die Beweidung zerstört werden würde.

Viel wichtiger ist, dass wir bewusst und konsequenter schauen woher das Fleisch kommt.

Dass Massentierhaltung, unter Einsatz von hauptsächlich Kraftfutter, für dessen Anbau Wälder gerodet werden, schädlich für unser Klima ist, soll hier keineswegs infrage gestellt werden. Doch dass wir unsere Rinder in anderer Form brauchen, weil sie notwendig ist zum Erhalt unserer Landschaft und vorallem dem Grasland, das die Atmosphäre von Treibhausgasen entlastet, ist ein Punkt, über den nachzudenken lohnt.

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